Evangelisch-Lutherische Immanuelgemeinde Saarbrücken/Walpershofen

Lasst euch versöhnen mit Gott

So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott vermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! (2. Kor. 5,20)

Christus am Kreuz

Gott am Kreuz!

Das hat kein Menschenhirn ausgedacht! Es ist der unauslöschliche Eindruck der Liebe Gottes, der mich bewegt. Wie soll ich doch fassen die Tiefe und Höhe, die Länge und Breite seines Erbarmens? Sein Erbarmen hüllt mich ein wie ein schützender Mantel, und ich sage dir: Zu ihm musst du gehen mit deinem Kummer, mit deiner abgrundtiefen Trauer, mit Schmerzen Leibes und der Seele, mit schlechter Laune und verletztem Gewissen. Leg das alles ab zu seinen Füßen. Schau hin nach Golgatha. Da hängt unser Lebensretter am Kreuz, von Menschen gehasst, von Gott verlassen. Die Liebe Christi ist so überwältigend, dass viele davon bis heute angerührt und überwunden werden. Er starb wie keiner stirbt, er warb wie keiner wirbt!

Er stirbt, damit wir am Leben bleiben, eine neue Lebensrichtung bekommen. Weg vom eigenen ICH, hin zu einem Leben für CHRISTUS. Wer ihn gesehen hat, sieht die Welt mit Gottes Augen. Christus sieht uns an vom hohen Kreuzesbaum, und wir blicken durch andere nicht mehr gleichgültig hindurch. Das geht jetzt nicht mehr. Wer diese neue Sichtweise hat, weiß um den Auftrag, den wir haben.

So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott vermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Dass Christus an unserer Statt zur Sünde gemacht wurde, das sollen wir an seiner Statt den andern sagen. Christus ist als unser Stellvertreter ans Kreuz gegangen; und nun sollen wir als seine Stellvertreter zu den andern gehen und ihnen das Wort vom Kreuz bringen, - hinbringen, nicht aufzwingen, nicht aufdrängen, aber anbieten, - bitten, steht hier: So bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Wie nötig ist das heute: Versöhnung, Überwindung von Hass und Herzenskälte, da draußen zwischen Völkern und Religionen und so auch in der eigenen Hausgemeinschaft. Wo Versöhnung werden soll, muss mindestens auf einer Seite der Wille sein - wie unsere Sprache so schön sagt - dem andern entgegenzukommen. Genau das hat Gott getan. Er ist zu uns gekommen, hat sich für uns geopfert. Er lässt sich nicht anstecken vom Hass, der ihn umgibt und hält doch zu uns. Das ist das Wunder dieses schwarzen Freitags, und darum bittet er: Lasst euch versöhnen mit Gott, bitte!

Hier ist nicht in erster Linie von der Versöhnung zwischen Menschen die Rede, sondern von der Versöhnung des Menschen mit seinem Gott. Die Bitte lautet nicht: Versöhnt euch untereinander! sondern: Lasst euch versöhnen mit Gott! Karfreitag sagt: Komm, wir tauschen: Deine Schuld für Gottes Huld. Nur so werden wir vor Gott angenehm, nur so. Es kommt alles darauf an, dass wir so verändert werden, dass wir zu Gott passen. Und wenn wir zu Gott passen, dann passen wir auch zueinander.

Der Karfreitag hat eigentlich keine Trauerbotschaft, sondern sagt, woher uns Frieden kommt. So darf ich fröhlich und getrost auf das Kreuz sehen, weil dahinter die Ostersonne aufleuchtet. Seit Karfreitag und Ostern kannst du morgens in den Spiegel schauen. Der, den du da siehst, ist von Gott geliebt, mit Gott im Reinen. Weil ER dich annimmt, kannst du dich selbst annehmen. Dank ihm für diese Liebe. Dank ihm mit deinem Leben.

Nun, ich danke dir von Herzen,
Herr, für die gesamte Not:
für die Wunden, für die Schmerzen,
für den herben, bittern Tod,
für dein Zittern, für dein Zagen,
für dein tausendfaches Plagen.
Für dein Angst und tiefe Pein
will ich ewig dankbar sein.
Amen.

Kurt-Günter Tiedemann

(Dieser Beitrag stammt aus dem Gemeindebrief März - Mai 2005.)

Letzte Änderung: 25.2.2008