Evangelisch-Lutherische Immanuelgemeinde Saarbrücken/Walpershofen

Er ist nicht hier, er ist auferstanden

Sie fanden den Stein weggewälzt von dem Grab und gingen hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus nicht. Und als sie darüber bekümmert waren, siehe, da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern, die sprachen zu ihnen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. (Lukas 24,2-6)

Kinderspiel vor Grabsteinen

Kinder spielen auf unserem wunderschönen Friedhof in Walpershofen. Zwischen den Grabsteinen, die Hinterbliebene ihren lieben Angehörigen gesetzt haben, die hier der Ewigkeit Gottes entgegen ruhen.

Mich fasziniert dieses Bild. Nicht nur, dass Kinder ein großer Segen sind, sondern, dass wir einen eigenen Gemeindefriedhof haben, auf dem wir unsere Lieben bestatten dürfen, ist auch ein großer Segen. Und dass unsere Kinder völlig sorglos zwischen den Grabsteinen spielen können, wie in einem hübschen Park. So schließt sich irgendwie der Kreis von Geburt und Tod, von Leben und Sterben.

Wirklich? Ist das ein Kreis, der sich schließt? Ist es so vorgegeben, dass Kinder, die heute noch nicht an den Tod denken, denen wir ein blühendes Leben wünschen, eines Tages als Folge eines natürlichen Kreislaufes begraben werden? Ein natürlicher Kreislauf ist das nicht: Geburt, Kindsein, Erwachsenwerden, Beruf erlernen, Familie gründen, in den Ruhestand gehen, Sterben. Mit natürlichen Gesetzmäßigkeiten hat das nichts zu tun.

"Der Sünde Sold ist der Tod," schreibt Paulus der Gemeinde in Rom (Römer 6,23). Weil wir den Zorn Gottes auf uns gezogen haben mit unserer Sünde, deshalb müssen wir sterben. Es ist ein Teufelskreislauf, ein Kreislauf, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Jesus Christus aber hat diesen Teufelskreislauf durchbrochen. Durch seinen Tod und durch seine Auferstehung hat er dem Tod die Macht genommen. Endgültig.

Die Frauen, die am Ostermorgen zum Grab Jesu gingen, fragten sich: "Wer hilft uns bloß dabei, den schweren Stein vom Felsengrab weg zu rollen, damit wir seinen Leichnam für das Begräbnis vorbereiten können?" Aber nicht nur diese eher technische Frage wird sie bewegt haben, sondern viel mehr die nach dem Tod Jesu. Sie hatten solche große Hoffnung auf ihn gesetzt, in seiner Gegenwart fühlte man sich wohl, weil er Menschen bedingungslos akzeptierte und liebte. Die Emmausjünger fassten am Abend des ersten Ostertages die geballte Sehnsucht Israels in diesem Satz zusammen: "Wir hofften, dass er Israel erlösen wird." Und nun war er tot. Er starb einen entsetzlich schmerzhaften Tod am Kreuz. Am Tag vor dem Sabbat.

Am Ostermorgen wurde alles anders. Das durften die Frauen als erste erfahren: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden." Der Stein, der vor das Grab gerollt worden war, konnte ihn nicht aufhalten.

Mich fasziniert noch ein anderes Bild. Das sind die vielen Menschen, die am Sonntagmorgen erst einmal zu den Gräbern ihrer Lieben gehen: zu denen ihrer Eltern oder ihres Ehepartners; vielleicht sogar zu dem Grab eines Kindes. Um dort ein stilles Gebet zu sprechen und Gott dafür zu danken, dass wir die Verstorbenen in seiner Hand wissen dürfen.

Danach kommen sie in den Gottesdienst, um die Auferstehung Jesu Christi von den Toten zu feiern, denn unsere Toten ruhen in der Gewissheit, dass Jesus Christus nicht nur Israel, sondern die ganze Welt durch seinen Tod und durch seine Auferstehung erlöst hat. In dieser Gewissheit feiern wir Gottesdienst, wenn die Gemeinde mit Blick auf den Altar und das Kreuz Jesu ihren Friedhof dahinter weiß und Auferstehungslieder singt: "Er ist nicht mehr im Grab. Er ist auferstanden!"

In dieser Gewissheit spielen auch unsere Kinder auf dem Friedhof!

Edmund Hohls

Letzte Änderung: 20.2.2009