Evangelisch-Lutherische Immanuelgemeinde Saarbrücken/Walpershofen

Gottes Wesen wird ersehen aus seinen Werken

Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, so dass sie keine Entschuldigung haben. (Römer 1,20)

Wald

Es gibt Leute, die behaupten: im Wald bin ich meinem Herrgott am nächsten. Aber ich kenne eine Stelle, wo ich IHM noch näher bin: im Waldgottesdienst. Warum? Weil ich da sein Wort höre, das Evangelium, die Gotteskraft, von der unser Text redet. Gottes Schöpfung ist ja nur ein Teil des großen Ganzen. Da ist viel mehr als wir sehen. Da ist viel Größeres als das. Paulus schreibt:

Gottes unsichtbares Wesen wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken.

Gottes Schöpfung ist ja in der Tat etwas Wunderschönes. Ohne unser Zutun grünt und blüht es in der Natur von neuem, und wir freuen uns an diesem jährlich wiederkehrenden Wunder, an der neu erwachenden Natur. Wir freuen uns über die liebe Sommerzeit, über das, was wir sehen, riechen, hören, schmecken, fühlen, wir freuen uns über all das, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen, was der Schöpfer zu unserer Freude wachsen und werden lässt. Das lässt unser Herz höher schlagen, weckt unsere Lebensgeister.

Ich kann die Leute nicht verstehen, die sagen: Gott ist tot. Wie törricht ist solche Behauptung und wie kurzsichtig. Gott ist da, überall. Gott lebt, und Gott lässt uns leben. Ich sehe IHN überall: selbst in deinen Augen sehe ich deinen Schöpfer. Der hat uns beide so gewirkt und gewollt wie wir sind, und ER schafft noch stets Neues:

Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt.

Wenn du nun in den Wald gehst, um mit deinem Schöpfer zu sprechen, ist das ja gut. Es wird in unserer lauten Welt immer schwieriger einen ruhigen Platz zu finden zum Meditieren und zum Beten. Wir brauchen diese Verbindung nach oben. Die Alten sagten: Wo das Herz den Herrn weder sucht, noch ihm dankt, verliert es seinen Gott bald. Und wenn du gottlos bist, dann bist du arm dran. Ohne Gottes Geist siehst du den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ohne Gottes Geist erkennst du nicht, was Gott mit dir und deinem Leben vorhat. In Gottes Wort hörst du, wer er ist und was er will. Da hörst du von den großen Taten deines Gottes, und was er für dich getan hat. Da lernst du deinen Gott kennen, wer er ist; und da lernst du dich kennen, wie du bist. Und da lerne ich, dass wir zusammengehören, mein Schöpfer und ich. Dazu will der Gottesdienst helfen: dass wir unsern Schöpfer kennenlernen, dass wir unsern Heiland lieben lernen. Was ich nicht kenne, kann ich nicht lieben. Ein Ausleger schreibt: Ich kann die Natur nur verstehen, wenn ich das Herz dessen kenne, der in ihr wirkt.

Spatz

Wenn Gott in meinem Leben ist, sehe ich seine Schöpfung mit andern Augen. Ehrfurcht vor Gott und Ehrfurcht vor dem Leben gehen zusammen. Ich höre den süßen Gesang der Mönchsgrasmücke, ich sehe das Filigran im Farnkraut und freue mich über die delikate Struktur im Schachtelhalm und über das unbeschreibliche Blau der Wegwarte und danke Gott dafür. Und ich lerne so auch, achtsam mit der Umwelt umzugehen. Es wäre zu schön, wenn wir unsere Welt so hinterlassen, dass Kinder und Kindeskinder sich daran freuen. Es wäre zu schön, wenn wir aufhören würden uns an Gott und an seiner Schöpfung zu versündigen, und an unsern Nachfahren.

Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt, so dass sie keine Entschuldigung haben.

Was heißt das? Das heißt: Wenn wir vor unserm Schöpfer stehen, vor Gottes Gericht und Gesicht, dann können wir nicht sagen: Lieber Gott, wenn wir gewusst hätten, dass es dich wirklich gibt, dann hätten wir anders gehandelt. Aber nun ist es zu spät. Dann kannst du nicht sagen: Mein Gott, wenn ich das geahnt hätte, dass es dich wirklich gibt, ich hätte anders gelebt, ich hätte mein Leben anders gestaltet. Du hast keine Entschuldigung, Mensch. Du hast es ja gewusst. Du hast es ja immer geahnt. Wir tragen Verantwortung für die Schöpfung, und wir tragen Verantwortung füreinander, für das, was wir weitergeben an unsere Kinder und Enkel, und es gibt keinen der darüber ruhig werden könnte.

Helft mir Gotts Güte preisen,
ihr Christen insgemein,
mit Gsang und andern Weisen,
ihm allzeit dankbar sein.

Kurt-Günter Tiedemann

(Dieser Beitrag stammt aus dem Gemeindebrief Juni - August 2006.)

Letzte Änderung: 29.5.2009