Evangelisch-Lutherische Immanuelgemeinde Saarbrücken/Walpershofen

Ruht ein wenig!

Und Jesus sprach zu seinen Jüngern: "Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruht ein wenig." Denn es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug zu essen. (Markus 6,31)

Füße

Klingt das bekannt, was Markus von Jesus und seinen Jüngern berichtet: "Es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug, zu essen?" Viele Menschen, die etwas von einem wollen, so dass man kaum zur Ruhe findet? Geht es Ihnen auch manchmal so wie den Jüngern Jesu?

Sonne, Licht, Wärme, grüne Wiesen und Wälder. Der Sommer ist da und mit ihm die Haupturlaubszeit. Endlich! Was könnte es Schöneres geben? Jetzt singen wir wieder aus vollem Herzen und mit Überzeugung: "Geh aus mein Herz und suche Freud."

Sucht man im Internet nach dem Wort "Erholung", dann kommen Wörter wie "Wellness, Events, Reisetickets, Mietwagen" und ähnliche immer wieder vor. Sie sollen auf Urlaub, Erholung und Abwechslung vom Alltag einstimmen. Der Surfer (zu Deutsch: "Wellenreiter" - womit wir beim Thema "Urlaub" wären) fragt sich dennoch unwillkürlich: Dienen diese Angebote wirklich der Erholung? Übrigens: Wozu eigentlich wegfahren in den Urlaub? Wo könnte es denn noch schöner sein als im "schönsten Bundesland der Welt?"

Jesus befiehlt seinen Jüngern, Urlaub zu machen, eine Auszeit zu nehmen. Ärztliche Anordnung, Widerspruch nicht geduldet! Seine Anweisung lautet zwar nicht ausdrücklich, dass sie ihren Urlaub im Saarland verbringen sollen, aber immerhin: Sie sollen sich ausruhen. Und er zeigt ihnen auch, wie es geht. Er selbst hat sich oft genug eine Zeit der Ruhe, der Stille und des Gebetes genommen, wie viele Evangelisten übereinstimmend berichten.

Dürfen wir Jesus demnach als Erfinder des modernen Urlaubs betrachten? Warum nicht! Ausruhen ist ein urmenschliches Bedürfnis, eine Notwendigkeit also. Auch Gott ruhte am siebten Tag von all seinen Werken, er machte Urlaub (Gen. 1 und 2). Er weiß, dass es für uns einfach notwendig ist, sich auszuruhen. Notwendig heißt ja: Etwas `wendet' die `Not', der Urlaub kehrt die Not um, die entstünde, wenn wir keinen Urlaub machten.

Auch in unserem Leben gibt es viele Anforderungen, denen wir täglich gerecht werden müssen. "Es waren viele, die kamen und gingen, und sie hatten nicht Zeit genug zu essen." Haben wir immer Zeit, uns als Familie wenigstens einmal am Tag zu einer gemeinsamen Mahlzeit hinzusetzen? Warum tun wir bloß oft so, als ob ohne unseren Einsatz nichts mehr ginge? In der Gemeinde, in unserem Beruf, in unserer Familie?

"Relaxt," sagt Jesus zu seinen Jüngern. Seid einfach so, wie die Saarländer es sind: "Relaxed!"

Lassen wir es uns also ruhig von Jesus gesagt sein: "Geht an eine einsame Stätte, ruht ein wenig." Wie gut, dass wir die Seele einmal baumeln lassen können, dass wir einmal im Jahr nicht von Terminen gehetzt werden, sondern Zeit für uns selbst, für unseren Ehepartner, unseren Freund oder Freundin, für unsere Kinder und Eltern haben.

Das Schuljahr geht zu Ende. Hoffentlich sind alle Schüler mit ihrem Zeugnis zufrieden und mehr noch: Hoffentlich sind alle Eltern mit den Zeugnissen ihrer Kinder zufrieden. Und wenn nicht: "Relaxt, ruht euch aus, ihr Eltern!" Es gibt immer wieder die Möglichkeit, Versäumtes nachzuholen. Unser schulisches Wissen ist ohnehin nicht für die Ewigkeit bestimmt!

"Ruht ein wenig," sagt Jesus. "Relaxt!"

Edmund Hohls

Letzte Änderung: 10.6.2008