Evangelisch-Lutherische Immanuelgemeinde Saarbrücken/Walpershofen

Hosianna dem Sohne Davids!

Hosianna dem Sohne Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! (Mt 21)

Advent

Dieser Freudenjubel zum Advent hat Liederdichter in allen Sprachen zu allen Zeiten inspiriert: "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit. Es kommt der Herr der Herrlichkeit." Welche Freude und Erwartung erfüllt die Menschen, die Jesus als den verheißenen Davidssohn erkennen: Hosianna dem Sohne Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! Eine große Menschenmenge umringt ihn, und selbst die Straße verliert ihren Alltagscharakter. Aus Kleidungsstücken und schnell abgerissenen Zweigen bereiten sie einen Empfangsteppich. Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel. Jesu Einzug in Jerusalem ist ein Bild für das, was im christlichen Gottesdienst geschieht: Der König des Friedens zieht jeden Sonntag bei uns ein, ein König, nicht von dieser Welt, aber für diese Welt. Im Eingangsgesang, im Introitus wird dies dargestellt. So auch beim Heiligen Abendmahl, wenn wir singen: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

ER kommt zu dir! Wo du auch wohnst, wer du auch bist, wie es auch in dir aussieht: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig. Er kommt, weil er weiß, daß unser Leben ohne Gott kein gutes Ende nimmt. Er kommt, weil es nicht gelingen will, von uns aus zu Gott zu kommen. Er kommt sanftmütig, weil unser Mangel an Sanftmut das eigentlich Unglück unseres Lebens und unserer Geschichte ist. Gott für uns. Für uns persönlich und für unsern Ort und für unser Land. "O wohl dem Land, o wohl der Stadt, so diesen König bei sich hat." Das hat eine furchtbar ernste Kehrseite: Das Kommen Christi ruft zur Entscheidung, nicht nur für den Einzelnen, für dich und mich, auch für die Völker. Wir können keinen besseren Dienst tun, als das ins Gewissen zu rufen. Advent: dh es ist Zeit für uns alle hier zu Christus zu kommen und ihm die Ehre zu geben, daß ER Herr ist und keiner sonst.

Es ist schon etwas Besonderes um diesen König, der da einzieht in seine Stadt. Er zeigt einer rücksichtslosen Welt den Weg des Opfers, der Hingabe, des Verzichtes. Über dem Ganzen liegt eine unantastbare Würde. Hier leuchtet ein Schein aus der andern Welt mitten in die Finsternis unseres Lebens. "Gib acht auf diesen hellen Schein, der aufgegangen ist: er führet dich zum Kindelein, das heißet Jesus Christ."

Hosianna dem Sohne Davids! Hosianna in der Höhe! Hosianna heißt beides: Heil dir! und zugleich: Hilf doch, Herr! Ganz ähnlich wie der Ruf Kyrie eleison! Luther sagt: Es ist kein andrer Anfang, um fromm und gerecht zu werden, als daß dein König zu dir kommt und in dir anfängt. So haben wir Zukunft. Zukunft noch verstanden nach dem eigentlichen Wortsinn, daß einer auf mich zu-kommt. Nicht du suchst ihn. Er sucht dich. Nicht du findest ihn. Er findet dich. Er steigt nicht auf ein feuriges Roß, sondern auf einen Esel. Damit er nicht wegen seiner Macht gefürchtet, sondern wegen seiner Freundlichkeit geliebt würde. Das ist die philantropia Gottes, sagten die Alten, die reine Menschenfreundlichkeit des himmlischen Vaters und seines Sohnes Jesus Christus, die uns rettet und die zu Weihnachten und alle Zeit unser Herz und Gemüt erfreut.

Dein Zion streut dir Palmen
und grüne Zweige hin,
und ich will dir in Psalmen
ermuntern meinen Sinn.
Mein Herze soll dir grünen
in stetem Lob und Preis
und deinem Namen dienen,
so gut es kann und weiß.
Amen.

Kurt-G. Tiedemann

(Dieser Beitrag stammt aus dem Gemeindebrief Dezember 2003 - Februar 2004.)

Letzte Änderung: 27.11.2008