Evangelisch-Lutherische Immanuelgemeinde Saarbrücken/Walpershofen

Gott sei Dank!

Gott sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!
1. Kor. 15,57

Am Erntedankfest werden unsere Kirchen wieder geschmückt sein mit guten Produkten aus der Landwirtschaft oder schmackhaften Erzeugnissen aus unseren eigenen Gärten. Danken ist Sache des Herzens. Weder kann man einen Dank fordern noch kann man andere dazu überreden. Jede und jeder wird für sich selbst entscheiden müssen, ob er oder sie danken kann und will. Das gilt selbst am Erntedankfest. Vielleicht gibt es auch manchen unter uns, dem das Danken in diesem Jahr schwer fällt, der zu viel erlebt und durchgemacht hat, als dass er dafür danken könnte. Auch das ist legitim.

Der Apostel Paulus dankt aus vollem Herzen, obwohl er auch vieles in seinem Leben durchgemacht hat. In einem seiner Briefe (2. Kor. 11) zählt er viele Gefahrensituationen auf:

Ich bin öfter gefangen gewesen, . . . ich bin oft in Todesnöten gewesen. Von den Juden habe ich fünfmal erhalten vierzig Geißelhiebe weniger einen; ich bin einmal gesteinigt worden; . . . einen Tag und eine Nacht trieb ich auf dem tiefen Meer, ich bin in Gefahr gewesen durch Flüsse, . . . unter Räubern, . . in Städten, . . . in Wüsten, . . . unter falschen Brüdern; in Mühe und Arbeit, in viel Wachen, in Hunger und Durst, in viel Fasten, in Frost und Blöße.

Blendet er alle diese Gefahren aus, wenn er schreibt: "Gott sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!"? Ob er diesen Satz gar am Erntedankfest geschrieben und dabei an das tägliche Auskommen gedacht hat?

Nicht unbedingt. Aber dennoch sind wir eingeladen, diesen Satz gerade am Erntedankfest aus vollem Herzen nach zu sprechen! Sind wir nicht gut versorgt, trotz noch immer hoher Arbeitslosigkeit? Wir feiern in diesen Monaten aber nicht nur das Erntedankfest, sondern auch den Ewigkeitssonntag. Was haben beide Feste gemeinsam? Nun, ich meine sehr viel. Im Herbst werden die Früchte des Feldes geerntet. Die Natur setzt sich zur Ruhe, um neue Kraft für das nächste Frühjahr zu sammeln.

Auch unser eigenes Leben gleicht solch einem Prozess, wie wir ihn in der Natur beobachten: Kindheit und Jugend, Erwachsensein und Altwerden. Auch unser Leben hat einmal ein - vorläufiges - Ende. Daran werden uns die grauen Novembertage wieder erinnern. Und dennoch dankt der Apostel Paulus für den Sieg Jesu Christi über den Tod und seine Macht, über alles, was das Leben hindern will. Wenn das kein Grund ist, in den Dank Gott gegenüber einzustimmen: Mein eigenes Leben aufgehoben bei Gott! In diesem Wissen können wir fröhlich das Erntedankfest - und den Ewigkeitssonntag feiern.

Gott sei Dank!

Edmund Hohls

Letzte Änderung: 9.2.2008