Evangelisch-Lutherische Immanuelgemeinde Saarbrücken/Walpershofen

Aller Augen warten auf dich

Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen. (Psalm 145,15.16)

Erntedankgaben

"Warum Atomkraft? Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose."

So lautete die Botschaft auf kleinen Aufklebern, die Anfang der Achtziger Jahre auftauchten. Natürlich wussten die Initiatoren auch, dass nur dann Strom an der Steckdose gezapft werden konnte, wenn irgend ein Kraftwerk Strom produzierte. Keiner konnte so naiv sein und meinen, der Strom komme einfach so aus der Steckdose.

Könnte man in Analogie zum obigen Satz auch sagen: "Warum Erntedankfest? Bei uns kommen die Lebensmittel vom Lebensmittelhändler." Das wäre eine naive Vorstellung, zugegeben. Auch, wenn längst nicht mehr so viele Menschen in der Landwirtschaft tätig sind wie früher, und wir erst dann merken, dass Landwirtschaft etwas mit unserem Leben zu tun haben muss, wenn die Milchbauern einen Lieferstopp beschließen, sind viele Menschen in der Lebensmittelindustrie beschäftigt, wahrscheinlich viel mehr, als allgemein bekannt.

Stimmt der Satz in unserer Zeit dann noch: "Aller Augen warten auf dich, Herr?" Betrachten wir unser Einkommen und unser Auskommen nicht schon lange als Selbstverständlichkeit?

Vielleicht. Dann will dieser Psalm uns wieder einladen, alles Gute von Gott zu erwarten. Und alles, wovon wir leben, als sein Geschenk zu betrachten.

Das Erntedankfest führt uns wieder die reich gedeckten Gabentische vor. Selbstverständlich arbeiten wir für unser Gehalt, unsere Versorgung. Und diejenigen, die keine Arbeit finden, sind in unserem Land, Gott sei es gedankt, auch versorgt. Trotz aller Kritik an Hartz IV. Aber wer schenkt uns Gesundheit, den Arbeitsplatz, die stabile Rente und die guten wirtschaftlichen Verhältnisse?

Der Psalmbeter sagt: "Du tust deine milde Hand auf und sättigest alles, was lebt, mit Wohlgefallen." Das ist eine Vertrauensaussage: Gott vergisst keinen bei der Versorgung.

Gilt das für alle Menschen? Gibt es nicht viel zu Viele, die hungern? Und sterben nicht täglich Tausende Menschen an Unterernährung? Dürfen wir diesen Psalm auch dann noch beten, wenn uns die schrecklichen Bilder von Unterernährung erreichen?

Hunger und Elend in dieser Welt dürfen uns nicht kalt lassen. Wir dürfen uns gerade auch zum Erntedankfest wieder daran erinnern lassen, dass Gott auch durch uns seine milde Hand auftun will, um andere zu speisen. Das können wir tun, indem wir für unsere Lutherische Kirchenmission spenden. Sie hat viele Mitarbeitende vor Ort, durch die den Ärmsten der Armen schnell und unbürokratisch geholfen werden kann. Diese Hilfe kommt an. Bei den Menschen, die sie brauchen. Im In- und Ausland.

Wenn wir auf Gott schauen und alles von ihm erwarten, dann dürfen wir zu allererst auch das von ihm erwarten, was wirklich nützt: Speise, die mehr bewirkt als nur ein vorübergehendes Sättigungsgefühl. Eine Versorgung, die mehr bietet als ein gesichertes Einkommen und stabile politische Verhältnisse.

Darin ist unser HERR Spezialist, Fachmann sozusagen. Durch seinen Sohn Jesus Christus begleitet er uns durch diese Welt. Bei allen Umbrüchen, Aufbrüchen und Neuorientierungen steht er uns zur Seite.

Im heiligen Abendmahl sättigt er uns mit seiner leibhaftigen Gegenwart unter den ganz irdischen Gaben Brot und Wein. Da verdichtet er seine Zusage noch einmal ganz neu: Er gibt Speise zur rechten Zeit und sättigt nach seinem Wohlgefallen.

Ihr Edmund Hohls

Letzte Änderung: 22.8.2008